Schule ist mehr als stillsitzen, zuhören und auswendig lernen.
Durch die Eingangsfrage, wie die Politiker:innen ihre eigene Schulzeit in Erinnerung haben und wann im Leben sie am meisten gelernt haben, ergab sich, dass sie auch aus eigener Erfahrung sagen können, dass unser Schulsystem reformbedürftig ist. Frontalunterricht und prüfungszentriertes Lernen ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und die Erfolge von BNE zeigen, dass die besten Lernerfahrungen und größten Fortschritte in der Regel dann gemacht werden, wenn Lernende selbst in Aktion treten. Neben der persönlichen Entwicklung stärkt BNE auch die Partizipation und ermöglicht erlebte Demokratie.
„Junge Menschen sind zukunftsverdrossen, nicht hoffnungsverdrossen“
sagt Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschüler:innenkonferenz, zum Thema Jugendbeteiligung.
Insgesamt ist man sich einig, dass es wichtig ist, junge Perspektiven in Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen und junge Menschen mehr zu beteiligen. Der Aufruf von Jasmina Hostert junge Menschen sollten sich wie andere Interessensgruppen noch aktiver an die Politik wenden und „nerven“, wurde zurückgewiesen. Politisches Engagement in großem Umfang ist für junge Menschen ein Privileg, dass sich nicht jede:r leisten kann. Zeitintensive Lobbyarbeit, wie andere Interessensgruppen sie leisten, passt nicht in die Lebensrealität von Schüler:innen. Die Bundesschüler:innenkonferenz fordert daher von den gewählten Parlamentarier:innen Jugendinteressen immer mitzudenken und eine institutionalisierte Jugendbeteiligung, in vielen Gremien wie auch zu Themen außerhalb von Jugend und Bildung.
Besonders relevant ist diese Forderung vor dem Hintergrund der Wehrdienstreform, ein Thema, welches im Laufe der Diskussion mehrfach aufkam, da junge Menschen sich in der Debatte um die Reform übergangen fühlen. Ralph Edelhäußer, beschreibt den Prozess der Reform aus seiner Perspektive als Mitglied des Verteidigungsausschusses, als sehr kompliziert. Er betont den Erfolg, wieder von der Idee des Losverfahrens abgekommen zu sein.
Kinder und Jugendlich sollen nicht wegen des Fehlverhaltens Erwachsener in den Sozialen Medien eingeschränkt werden,
ist der Standpunkt Maren Kaminski bezüglich eines Social Media Verbots. Auch die anwesenden Jugendlichen sehen darin einen großen Einschnitt in ihre Lebenswelt. Sie argumentieren ähnlich wie die Abgeordnete Kaminski, dass ein Ausschluss Jugendlicher von bestimmten Plattformen die Gefahren der sozialen Medien nicht behebt und der Zeitpunkt zu dem junge Menschen ihnen ausgesetzt sind nur verschoben wird. Es gilt die Anbieter zu regulieren etwa durch Umsetzung des Digital Service Acts (DSA) und nicht die Nutzer:innen.
Welche Relevanz haben Soziale Medien konkret in der Bildungsarbeit und wie ist der beste Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Bildung? Diese Fragen bildeten den zweiten Themenschwerpunkt der Diskussion.
Einig war man sich, dass die fortschreitende Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und die unweigerliche Nutzung seitens Schüler:innen und Lehrer:innen nicht ignoriert werden darf, sondern sowohl in Schulen, als auch der Lehrer:innenausbildung thematisiert werden sollte.
Gleichzeitig darf Digitalisierung kein Selbstzweck sein. BNE stellt gute Pädagogik über Technik und bettet KI in den Bildungskontext ein. Ethische Reflexionen und Nachhaltigkeitsaspekte werden hierbei in den Mittelpunkt gestellt.
Bildung zukunftsfähig gestalten
Der letzte Themenschwerpunkt des Abends war ein Blick in die Zukunft. Wie kann Bildung konkret zukunftsfähiger gestaltet werden? Das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer zeigt, dass BNE vermehrt in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen angekommen ist. Von Lernenden wird es als große Bereicherung empfunden, dennoch findet sie meist nur als Zusatz und temporär und nicht als grundlegender Teil aller Fächer Platz und BNE ist selten bewertungsrelevant. Das Bündnis Zukunftsbildung richtete daher, in diesem letzten Schwerpunkt, seine direkten Forderungen an die Abgeordneten. Im Zentrum standen die Aufstockung der Bundesmittel für BNE, die eine längerfristige Förderung ermöglichen könnten, sowie die Verschränkung von BNE mit bestehenden Programmen wie beispielsweise „Startchancen“ oder „Menschen stärken Menschen“. Stefan Rostock, Bereichsleiter BNE bei Germanwatch e.V. und NRW Fachpromotor Klima und Entwicklung ermutigte, die bestehenden BNE-Umsetzungen und Entwicklungen immer auf dem Boden des aktuellen, transformativen Verständnisses der UNESCO Roadmap BNE2030 aufzubauen.
Der parlamentarische Abend, ein großer Erfolg
Der Parlamentarische Abend wurde von allen Beteiligten als sehr interessant, offen und konstruktiv wahrgenommen und gelobt. Unter den knapp 80 anwesenden Personen fanden sich etwa zwei Drittel engagierter junger Menschen, mit und ohne Hintergrund in unterschiedlichen Organisationen (Bundesschüler:innenkonferenz, youpan, SV Bildungswerk, Greenpeace Jugend, BUNDjugend, NAJU, Amnesty International Jugend), die zum Ausdruck bringen konnten, dass sie sich mehr Beteiligung und Berücksichtigung von Jugend in der Politik wünschen.
Der offizielle Teil des Abends endete mit einem prägnanten Schlussstatement von Amelie, einer Jugendstimme von Amnesty International, die ihren Fokus auf Inklusion und strukturelle Verbesserungen des Bildungssystems richtete.
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