Der Handabdruck

Was ist der Handabdruck?
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Inzwischen wissen viele Menschen, was sie persönlich tun können, um etwas nachhaltiger zu leben. Viele kennen auch den Test zum ökologischen Fußabdruck oder haben schon mal ihre persönliche CO2-Bilanz berechnet.

 

Doch viele Studien zeigen, dass allein unser Wissen über die Klimakrise, den Biodiversitätsverlust oder über globale Ungleichheiten häufig nicht zu nachhaltigerem Verhalten führen. Ein Grund dafür ist die Annahme, alleine und durch individuelle Verhaltensänderungen kaum etwas ausrichten zu können. Ein anderer Grund ist, dass sozial und ökologisch verantwortliches Verhalten in unserer Gesellschaft noch fast immer die aufwändigere, teurere oder weniger naheliegende Option ist. Strukturelle Rahmenbedingungen erschweren es, sich nachhaltig zu verhalten. Das Konzept des Fußabdrucks bezieht sich außerdem ausschließlich auf die negativen Auswirkungen, die unser persönlicher Lebensstil auf unseren Planeten hat.

Hier kommt der Handabdruck ins Spiel!

  1. Der Handabdruck zeigt auf, was jede:r von uns als positive Spur in unserer Welt hinterlassen kann und steht für gesellschaftliches und politisches Engagement in Bezug auf Nachhaltigkeit.
  2. Handabdruck-Engagement trägt dazu bei, dass nachhaltiges Verhalten für viele Personen einfacher wird und kann so eine positive Wirkung auf die Reduktion von ganz vielen ökologischen Fußabdrücken haben.
  3. Mit dem Handabdruck verändern wir Rahmenbedingungen und Strukturen so, dass nachhaltige Lebensstile leichter, naheliegender, preiswerter oder zum Standard werden.

Für das Handabdruck-Konzept ist Germanwatch seit November 2023 mit dem begehrten Phineo-Wirkt-Siegel ausgezeichnet.

Das Symbol des Handabdrucks für positives Handeln für eine nachhaltige Zukunft entstand im Centre for Environment Education (CEE) in Indien. Das offene Konzept des CEE-Handabdrucks haben wir bei Germanwatch aufgegriffen und weiterentwickelt, wobei uns zwei Punkte besonders wichtig sind:

  1. die positive Perspektive auf Handlungsoptionen: Was können wir Gutes im Sinne sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit hinterlassen?
  2. der Fokus auf Strukturveränderungen: Wie können wir Rahmenbedingungen in unserem Umfeld (in unserem Verein | Religionsgemeinschaft | Schule | Uni | Arbeitsplatz | Quartier | Stadt | Kommune | Bundesland…) so gestalten, dass Nachhaltigkeit zum neuen Standard wird? Wie können wir mit unserem Engagement solche Veränderungen anstoßen und bleibend verankern?

  • positive Perspektive auf Handlungsoptionen: Was kann ich vergrößern? Wo kann ich etwas Gutes hinterlassen? (Gegensatz zur Perspektive des ökologischen Fußabdrucks)
  • Befähigung zur aktiven politischen Mitgestaltung unserer Gesellschaft hin zur Nachhaltigkeit
  • Lernende nicht als reine Konsument:innen, sondern als Gestalter:innen ihrer Gesellschaft ernst nehmen
  • Handlungsoptionen passend zur Problemgröße („Epistemic-Fit“)
  • Größeres transformatives Wirkpotenzial um nachhaltiges Verhalten für viele Menschen einfacher zu
    machen und in der Gesellschaft zu verankern: strategisches und systemisches Handeln
  • Lernende fühlen sich ernst genommen, entwickeln größere (Selbst-)Wirksamkeitserwartung und -erfahrung
  • Handlungsorientierte Andockmöglichkeiten an Transformationsmodelle
  • Stärkung demokratischer Grundpfeiler: Lernen am Aushandlungsprozess, Mitgestaltungs- und Partizipationszugänge, Repolitisierung nicht nur junger Menschen, Bezüge zu politisch legitimierten Rahmenwerken, Revitalisierung von Debattenkultur, Zukunftsvision

Einerseits kann der Handabdruck als Handlungskonzept von allen genutzt werden, die (gemeinsam mit anderen) Wandel in Bewegung setzen wollen. Handabdruck-Engagement setzt immer an Strukturen, Regeln, Rahmenbedingungen oder Gesetzen an, die im jeweiligen Umfeld der Gruppe liegen: Student:innen können dafür sorgen, dass ein Tausch- oder Leihladen an der Universität eingerichtet wird. Initiativen können erreichen, dass autofreie Zonen in der Innenstadt vergrößert werden oder Geldanlagen eines Vereins nur noch nachhaltig investiert werden. Deine Handabdruck-Aktionen können von der Nachbarschaft bis zur Bundesebene nachhaltiges Handeln niederschwelliger für andere machen!

Andererseits kann der Handabdruck als Bildungskonzept herangezogen werden, mit dem Interessierte und Engagierte zur Mitgestaltung an der Transformation ermutigt und befähigt werden können. Hier geht es darum, Lernenden strukturverändernde Handlungsoptionen aufzuzeigen. Kompetenzen zum wirksamen politischen Handeln zu vermitteln und Wandel als Lernerfahrung erlebbar zu machen. Auf der politischen Ebene schließt hier außerdem mit SDG 4.7 das Ziel an, eine zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele befähigende Bildung in allen Bildungsbereichen zu verankern.

Handabdruck-Aktionen und -projekte können sehr unterschiedlich aussehen.

1) Sie lassen sich in allen Themen- und Handlungsfeldern der Nachhaltigkeitstransformation finden.
Beispiele: Urbane Räume, Altersvorsorge, Wohnen, Konsum, Landwirtschaft, politische Partizipation, Wirtschaft, Bildungssysteme, Verkehr, Reisen, Energiegewinnung, Energieverteilung, Rohstoffe, Inklusion, Gemeinwohl, Diversität, Kommunikation, Bedürfnisse, Privilegien, Freundschaft und Familie

2) Sie können auf unterschiedlichen Handlungsebenen angesiedelt sein.
Beispiele: Initiative, Verein, Stadtteil, Arbeitsplatz, Kommune, Partei, Bundesland, Deutschland etc. Viele Projekte können, wenn sie in kleinem Maßstab erfolgreich umgesetzt wurden, im weiteren Prozess auf die nächst-höhere Ebene übertragen werden

Handabdruck-Engagement setzt immer an Strukturen, Regeln, Rahmenbedingungen oder Gesetzen an, um Nachhaltigkeit bleibend und für viele Personen zu verankern. Alle können dabei helfen – und am besten klappt es gemeinsam in Gruppen: Schüler:innen können sich dafür einsetzen, dass an ihrer Schule nur noch saisonales und biologisches Essen angeboten wird. Mitglieder von Religionsgemeinschaften können dafür sorgen, dass die Geldanlagen der Gemeinde nur noch nachhaltig angelegt werden. Initiativen in Städten können erreichen, dass beim örtlichen Stromanbieter Ökostrom als Standardoption angeboten wird. Gesetze auf Bundesebene können Weichen für eine nachhaltigere Mobilität stellen. Oft können Nachhaltigkeitsprojekte, wenn sie in kleinem Maßstab erfolgreich umgesetzt wurden, im weiteren Verlauf auf größere Wirkungskreise übertragen werden (z.B. vom Verein zum Verband oder vom Quartier auf die ganze Stadt). Und natürlich können auch bundesweite Proteste wie die von Fridays for Future Einfluss auf Entscheidungsträger:innen auf allen Ebenen haben. Im besten Fall können sie damit sogar neue Gesetze bewirken.

Du fragst Dich, wo und wie Du größere gesellschaftliche Veränderungen anstoßen kannst, die mehr Menschen nachhaltiges Verhalten erleichtern?

  • Mit unserem Handabdruck-Test kannst Du herausfinden, wie Du Deinen persönlichen Handabdruck vergrößern kannst.
  • Methoden, Beispiele und Tipps für Dein Engagement oder für Deine Bildungsarbeit findest Du unter Impulse und Angebote!

Beispiel Nachhaltige Energie:

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Initiativen in Städten schließen sich strategisch zusammen, um den örtlichen Stromanbieter davon zu überzeugen, die „Standardoption“ (oft der sogenannte Grundtarif) für Kunden von einer fossilen oder gemischten Option auf eine rein aus erneuerbaren Energien zusammengesetzten, klimafreundlichen Option umzustellen.

Video zum Projekt der Stadtwerke Bonn Energie aus Abfall zu erzeugen

Beispiel Agrar- und Ernährungswende:

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Schüler:innen oder Student:innen engagieren sich an ihrer (Hoch)Schule dafür, dass in ihren Mensen / Kantinen nur noch saisonales und biologisches Essen angeboten wird und dass die fleischfreie Option die preiswertere Standardoption ist.

Link zur Initiative Klimagesunde Mensa in Niedersachsen

Die Bewohner:innen eines Landkreises setzen die lokale Agrarwende und den Schutz der Artenvielfalt auf die Agenda des Wahlkampfs im Landkreis. Sie fordern zusammen mit den ansässigen Landwirt:innen von ihren Landrät:innen die Transformation zu einem pestizidfreien Landkreis und entsprechende Regelungen dafür zu verankern. Damit wollen Sie Öffentlichkeit für das Thema und ein starkes Qualitätskriterium der regionalen landwirtschaftlichen Produkte schaffen.

Auf Landesebene stärken sie eine Agrar- und Ernährungswende weiter, indem sie sich zusammen mit anderen Gruppen für eine Quote von Nahrungsmitteln aus biologischem und regionalen Anbau in öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Kitas...) stark machen.

Link zum CAPA-Projekt in Brasilien (Aufbau eines Netzwerks von Ökobetrieben)

Bei Groß-Demonstrationen wie der "Wir haben es satt!"-Demonstration in Berlin kommen Organisationen aus Landwirtschaft und Gesellschaft zusammen. Sie fordern eine Agrar- und Ernährungswende und erheben ihre Stimme für mehr Tempo beim Umbau der Landwirtschaft und sagen Nein zu Industriemogelpackungen wie Gentechnik, Patent-Saatgut und routinemäßigem Pestizideinsatz.

 

 

Wir geben regelmäßig Schulungen und Workshops oder halten Vorträge, um mit Multiplikator:innen zu diskutieren, wie sie in ihrer Bildungsarbeit den Perspektivwechsel vom Fuß- zum Handabdruck anregen und Menschen zu transformativem Engagement empowern können.

Du möchtest mit uns zusammenarbeiten oder benötigst unsere Unterstützung für ein Projekt?

Dann nimm Kontakt mit uns auf!

Hier findet Ihr Aufnahmen von zwei Vorträgen, die einen Einblick in die Handabdruck-Perspektive und unser Bildungsverständnis bieten.

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Für das Schulprogramm der Public Climate School vom 17.-21. Mai 2021 haben die Students For Future mit Marie Heitfeld (Germanwatch) und Markus Power (Greenpeace) gesprochen.
Ab Minute 7:40 gibt es einen fünf-minütigen Einblick in die Nutzung des Handabdrucks in der Klimabildung.

Schaut rein!

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Im Rahmen eines Fachtags der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung hat Daniela am 18.11.2022 einen Vortrag mit dem Titel „Die Rolle politischen Handelns als Inhalt in der außerschulischen BNE“ gehalten.

Schaut rein!

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Hier findest Du, was Du suchst!

Autor:innen: Marie Heitfeld, Frieda Meckel, Alexander Reif, Katja Thiele